1. Dezember 2020

Energiewende in Bürgerhand: Rekordbeteiligung bei virtueller Generalversammlung von Deutschlands größter Energiegenossenschaft

So sieht direkte Unterstützung für die Energiewende in Deutschland aus: Für ihre virtuelle Generalversammlung unter Pandemie-Bedingungen konnte die knapp 40.000 Mitglieder starke Prokon Regenerative Energien eG eine Wahlbeteiligung von 21,3 % aller Mitglieder mobilisieren. Die Genossen sprechen Vorstand und Aufsichtsrat ihr Vertrauen aus und stimmen nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2019 einer Dividendenausschüttung zu. Somit profitieren die Mitglieder von Deutschlands größter Energiegenossenschaft von Ihrem Engagement für eine klimaneutrale Energieerzeugung.

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Gewinner der Energiewende freuen sich über gutes Jahresergebnis

Es gibt Leute, die demonstrieren jeden Freitag für mehr Klimaschutz. Andere fahren ein Elektroauto und beziehen Ökostrom. Und rund 40.000 Bürger produzieren jedes Jahr gemeinsam weit über 1 Terawattstunde Strom aus regenerativen Wind- und Photovoltaik-Anlagen – als Miteigentümer von Deutschlands größter Energiegenossenschaft Prokon Regenerative Energien eG mit Hauptsitz in Itzehoe (Schleswig-Holstein).

Und die Prokon-Mitglieder konnten sich in diesem Jahr einmal mehr über ein wirtschaftlich sehr erfolgreiches Geschäftsjahr 2019 freuen. Gute Winderträge, stabile Rahmenbedingungen und ein gutes Kostenmanagement führten zum dritten Mal in Folge zu einem positiven Jahresabschluss für die 5 Jahre Genossenschaft. Vom Jahresüberschuss mit knapp knapp 8,1 Mio. Euro konnte der Vorstand zum zweiten Mal die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von insgesamt rund 7,3 Mio. Euro an die Mitglieder vorschlagen.

Mitbestimmung in Zeiten von Corona

Partizipation ist in einer Genossenschaft grundsätzlich ein hoher Wert. Es gilt das Prinzip: Jedes Mitglied hat eine Stimme – unabhängig von der Höhe des investierten Geschäftsguthabens.

Einmal im Jahr kommen die Mitglieder der Prokon-Genossenschaft daher zur Generalversammlung zusammen. Vorstand und Aufsichtsrat von Prokon legen dann gegenüber den Genossen Rechenschaft über das abgelaufene Geschäftsjahr ab, stellen sich den Fragen der Mitglieder und lassen sie über wichtige strukturelle oder strategische Themen entscheiden.

Aufgrund der Corona-Pandemie hatte Prokon die ursprünglich für Juni geplante Generalversammlung zunächst verschoben. Nachdem im Sommer klar wurde, dass auch in der zweiten Jahreshälfte Versammlungen mit vielen Menschen unvernünftig sein würden, entschieden Aufsichtsrat und Vorstand des Itzehoer Windkraft-Unternehmens, die Veranstaltung komplett ins Internet zu verlegen.

Gelungenes Experiment

Am vergangenen Donnerstag (26.11.2020) machte sich dann gegen Viertel vor Vier am Nachmittag bei Majbrit Fromme aus dem Vorstandsreferat von Prokon große Erleichterung breit. Gerade hatte Aufsichtsratsvorsitzende Petra Wildenhain die Ordentliche Generalversammlung der Prokon Regenerative Energien eG für das Geschäftsjahr 2019 beendet. Knapp 6 Stunden hatten sich insgesamt 595 Mitglieder im Online-Portal eingeloggt und sich aktiv in der Generaldebatte und der Online-Abstimmung beteiligt oder haben als Gasthörer nur den Wortbeiträgen von Vorstand, Aufsichtsrat und Mitgliedern gelauscht.

Das Experiment „virtuelle Generalversammlung“, das Majbrit Fromme mit einem Team aus Prokon-Mitarbeiter*innen und der auf Hauptversammlungen und digitale Abstimmungsprozesse spezialisierte Agentur Better Orange IR & HV AG vor knapp 5 Monaten zunächst als Szenario und ab September dann als konkretes Projekt gestartet hatte, ist geglückt. Dabei hatte es sich das Prokon-Team mit der Aufgabe nicht einfach gemacht: Viele Aktiengesellschaften und Genossenschaften haben beispielsweise in diesem Jahr auf Aussprachen und Generaldebatten ganz verzichtet. Nicht so Prokon. Keine andere Genossenschaft musste die technischen Voraussetzungen vorhalten, damit in der Theorie jedes Genossenschaftsmitglied an der Generalversammlung hätte teilnehmen können.

Keine große Genossenschaft hat eine vergleichbar hohe direkte Beteiligung

Die konkreten Fakten der ersten virtuellen Generalversammlung der größten Energiegenossenschaft Deutschlands sprechen nun für sich:

Dank der 2019 in der Prokon-Satzung verankerten „Briefwahl“ haben insgesamt fast 8.500 Mitglieder ihre Stimme zu den Beschlusspunkten der Tagesordnung abgeben. Vorstand und Aufsichtsrat wurden auf diesem Wege entlastet, mit Johannes Kempmann ein neues Aufsichtsratsmitglied gewählt und eine Ausschüttung des Bilanzgewinns in Form einer Dividende zugestimmt.

Nie zuvor haben mehr Mitglieder (Wahlbeteiligung: 21,2 %) ihre Stimme für Ihre Genossenschaft abgeben. Prokon-Vorstand Andreas Neukirch bestätigt zudem: „Mir ist keine der großen Genossenschaft in Deutschland bekannt, die eine vergleichbare direkte Beteiligung aller Mitglieder vorweisen kann.“ Und trotz der virtuellen Veranstaltungsform haben sich mehr als 320 Mitglieder aktiv in die Versammlung eingewählt, rund weitere 270 verfolgten die Vorträge und Debatte passiv über den Gastzugang. Die Generaldebatte verlief mit 19 Wortbeiträgen kürzer als auf vergangenen Versammlungen, aber nicht weniger kritisch und interessiert.

Persönlicher Kontakt bleibt wichtig

Trotz dieses Beteiligungserfolges bleibt die virtuelle Generalversammlung der Prokon Regenerative Energien eG zunächst ein Sonderfall, der den Kontaktbeschränkungen der Covid-19-Pandemie und den Sondergesetzten geschuldet ist. Prokon plant die Generalversammlung für das Geschäftsjahr 2020 wieder als Präsenzveranstaltung. „Der persönliche Kontakt von Angesicht zu Angesicht ist uns als Genossenschaft weiterhin wichtig“, erklärt der zweite Prokon-Vorstand Henning von Stechow, auch wenn Prokon-Mitglieder in der Generaldebatte dazu aufriefen, sich auch zukünftig auf neue, digitale Methoden der Mitbestimmung und Partizipation einzulassen.

Für den Fall jedoch, dass auch im ersten Halbjahr 2021 keine Präsenzveranstaltungen möglich sein sollten, wissen Majbrit Fromme und ihr Team jetzt, dass es eben auch digital geht.

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Von Itzehoe aus wurde die virtuelle Generalversammlung als Online-Stream gesteuert.