4. Januar 2018

Starke Idee - Das Raiffeisenjahr beginnt

In diesem Jahr feiern die Genossenschaften in Deutschland den zweihundertsten Geburtstag von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, einem der Väter der Genossenschaftsidee. Der Leitgedanke, den Raiffeisen entwickelte, hat über die Zeit nichts an seiner Aktualität und Wichtigkeit eingebüßt. Denn Genossenschaften dienen der wirtschaftlichen und sozialen Förderung ihrer Mitglieder, eine echte Alternative zu streng kapitalistischem Wirtschaften in Zeiten des vielerorts tobenden Neoliberalismus.

Prokon News Raiffeisenjahr C

Die Idee kam Raiffeisen im 19. Jahrhundert als Bürgermeister von Weyerbusch im Westerwald. Und auch der damalige Anlass könnte keinen aktuelleren Bezug haben: Durch Ausbrüche von Vulkanen in Asien und im Pazifik kam es 1846 zu Klimaveränderungen in ganz Mitteleuropa. Dies hatte auch in Deutschland Auswirkungen auf die Ernte, wodurch die Nahrungsmittelpreise stark stiegen und Hungersnöte ausbrachen. Zur Verteilung von Lebensmitteln und dem gemeinsamen Bezug von Saatgut und Kartoffeln gründet Raiffeisen den „Weyerbuscher Brodverein“. Das bald darauf errichtete Gemeindebackhaus ist eine erste genossenschaftsähnliche Einrichtung.

Auch heute gibt es Klimaveränderungen, obgleich die Vorzeichen des aktuellen Klimawandels andere sind. Und auch heute schließen sich Menschen zusammen, um diesen Veränderungen zu begegnen und um Ziele zu erreichen, die sie alleine nicht, oder nur sehr schwer erreichen können. Dies kann beispielsweise der Bau eines Windparks sein. Für einen einzelnen Menschen ist die Finanzierung und Planung eines solchen Projektes kaum möglich. Im Gegensatz dazu hat ein großer Energiekonzern ganz andere Möglichkeiten zur Umsetzung von Windparkprojekten. Davon profitiert zwar die Umwelt, jedoch in der Regel nicht der Bürger. In der Gemeinschaft einer Energiegenossenschaft sind die Mitglieder in der Lage, ebenfalls große Projekte umzusetzen und gleichzeitig profitiert jedes Mitglied. Denn in Genossenschaften sind die Mitglieder die Unternehmer. Sie sind für ihr Unternehmen nicht nur die Kapitalgeber, sondern sie treffen in organisierter Form richtungsweisende Entscheidungen. Gerade Grundbedürfnisse des täglichen Lebens, wie Wohnen oder die Versorgung mit Lebensmitteln und Energie, sind deshalb in Form einer Genossenschaft besonders gut aufgehoben. Sie geben den Bürgern Selbstbestimmtheit über diese grundlegende Versorgung.

Als größte Energiegenossenschaft Deutschlands freuen wir uns auf die zahlreichen Veranstaltungen in diesem Jahr, die das Genossenschaftswesen mit all seinen Facetten beleuchten und diese Idee, die seit 2016 auch immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO ist, weiter verbreiten. Eine dieser Veranstaltungen ist die Ausstellung „Tradition Raiffeisen: Wirtschaft neu Denken“ im Landesmuseum Koblenz, die am 13. Juni eröffnet wird und in der sich auch die Prokon eG vorstellt.