27. März 2020

Solarenergie-Ausbau in Gefahr?

Während der ins Stocken gekommene Windenergie-Ausbau immer wieder Hauptthema der Energiewende-Diskussion ist, hört man zum Stand der Solarenergiewirtschaft auf bundespolitischer Ebene in den letzten Monaten eher wenig. In den Augen der Branche wird es allerdings dringend Zeit, dass sich eingehend und konkret damit beschäftigt wird, die Rahmenbedingungen neu zu definieren. Besonders in diesen schwierigen Wochen gilt es, neben all den notwendigen Maßnahmen zur Hilfe in der Corona-Krise, die Klima-Krise nicht zu vernachlässigen. Die bereits beschlossene, aber politisch verzögerte Abschaffung des Solardeckels sowie das anstehende Ende der EEG-Förderung für die ersten Photovoltaikanlagen geben akuten Grund zur Sorge.

Solarzelle im Sonnenuntergang

Offener Brief: Solardeckel streichen!

In einem vom Bundesverband der Solarwirtschaft e. V. (BSW) und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), in dem auch Prokon Mitglied ist, organisierten offenen Brief wandten sich diese Woche rund 2000 Unternehmen an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ihnen geht es vor allem darum, die Beseitigung des sogenannten „Solardeckels“ in die Tat umzusetzen. Schon im Zuge des im letzten Jahr formulierten Klimaschutzprogramms 2030 war die Aufhebung des Deckels verkündet worden, ohne dass allerdings bisher entsprechende Maßnahmen erfolgt wären. Der Solardeckel beschreibt eine im Jahr 2012 eingeführte Regelung, nach der, sobald mehr als 52 Gigawatt installierte Solarstromleistung im deutschen Stromnetz erfasst sind, keine staatliche Förderung für Photovoltaikanlagen mehr ausgezahlt werden soll. BDEW und BSW rechnen damit, dass diese Grenze im Sommer 2020 erreicht wird. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Corona-Krisensituation, ist es den Unternehmern nun ganz besonders wichtig, dass die Abschaffung dieser Regelung wie angekündigt erfolgt. „[Der Solardeckel] würde die Nachfrage nach Solardächern weitgehend zum Erliegen bringen und die Umsetzung der Klimaziele ernsthaft gefährden“, heißt es zusammenfassend in dem offenen Brief.

Petition: Weiterbetrieb von Solaranlagen soll gesichert werden

Auch der Solarenergie Förderverein Deutschland e. V. (SFV) sieht eine Bedrohung für die Solarenergiebranche, der es sich anzunehmen gilt. Sie riefen im Januar dieses Jahres eine Petition ins Leben, um den Weiterbetrieb von Photovoltaikanlagen, die länger als 20 Jahre in Betrieb sind, zu ermöglichen. Nach bisherigen Regelungen werden die ersten Solaranlagen 20 Jahre nach Einführung der EEG-Förderung zum 1. Januar 2021 keine staatlichen Gelder und Abnahmegarantien mehr erhalten. Gerade für viele Privathaushalte mit installierter PV-Anlage stellt sich dann die Frage, wie die Anlagen auch weiterhin wirtschaftlich betrieben werden können. Die Petitions-Initiatoren sehen hier die Gefahr, dass funktionsfähige PV-Anlagen aus Risiko- und Kostengründen frühzeitig abgebaut werden und damit die Energiewende in Deutschland in Gefahr gebracht wird. Ihnen geht es darum, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Weiterbetrieb nach Ende der EEG-Förderung vereinfacht und die Abnahme des Stroms aus allen Photovoltaikanlagen auch in Zukunft durch den Netzbetreiber sichergestellt wird. Die Petition steht nach gut zwei Monaten Laufzeit bei über 115.000 Unterschriften, darunter Einzelpersonen aber auch eine Reihe von Vereinen, Verbänden und Unternehmen.